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Treu oder nicht treu?

Monday, December 6th, 2010

In Deutschland geht jeder Zweite fremd. Männer liegen bei dieser Statistik nur leicht vorn – die Frauen haben aufgeholt. Und das obwohl 90 Prozent der Deutschen die Meinung vertreten, dass Treue gut und wichtig ist. Ja was denn nun?

Biologen gehen die Frage seit jeher ganz pragmatisch an und sehen im Fremdgehen schlichtweg eine Art Entlastung. Evolutionsgesteuert handeln wir – Männer, weil sie als Jäger und Sammler erobern müssen. Und Frauen tun es, weil sie begehrt sein wollen.
Und da das  in einer langjährigen Beziehung meist nicht mehr bedient wird, suchen sich Männer und Frauen halt eine andere Plattform um den Urzeit-Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Vernunft rückt in den Hintergrund und macht dem triebgesteuerten Wesen Platz.

Trotzdem – es gibt sie ja, die Treuen. Sind diese Menschen nicht evolutionär programmiert?
Der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger hat sich intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt und ist zu dem Schluss gekommen, dass treue Menschen sich durch ein besonders starkes Persönlichkeitsprofil auszeichnen. Darüberhinaus stehen sie in einem guten Kontakt mit sich selbst und ihrem sozialen Umfeld.

Krüger bezeichnet solche Menschen als “besonders bindungsstark”, was bedeutet, dass sie in der Regel bereits in der Kindheit verlässliche Beziehungen zu Bezugspersonen aufbauen konnten und diese Erfahrung später auf ihr Erwachsenenleben übertragen können.  Dazu kommt eine gewisse innere Stabilität, das Wissen um den eigenen Wert und der gute Kontakt zur inneren Stimme. Treue Menschen ziehen aus ihrer Partnerschaft eine Lebensstabilität, die ihnen Kraft gibt, Lebensschwerpunkte und -ziele  zu setzen und letztendlich auch zu verwirklichen. Dazu kommt, dass sich diese Lebensziele mit denen des Partners decken, was zu einem ausgesprochen starken Wir-Band wird. Das bedeutet natürlich nicht immer eitel Sonnenschein – jedoch genug Beziehungsstabilität, auf die das Paar in Krisenzeiten bauen kann.

Treue – Siegel

Monday, August 16th, 2010

Was bringt uns dazu, in fremde Betten zu hüpfen und mit einem Seitensprung die eigene Beziehung auf’s Spiel zu setzen?
Nahm man früher an, dass evolutionäre Hintergründe eine Rolle spielen, kommt man heute immer öfter zu dem Schluss, dass kulturelle und soziale Mechanismen unser Fremdgehverhalten beeinflussen.
Das bestätigt auch eine aktuelle Studie, die auf der Jahrestagung der American Sociological Association in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) vorgestellt wurde.
Sie basiert auf einer Umfrage unter 1024 Männern und 1559 Frauen in den USA und zeigt deutlich, dass Männer öfter fremdgehen, wenn sie von ihrer Frau finanziell abhängig sind. Auch bei der Treue der Frauen spielen die Finanzen eine Rolle – allerdings anders als bei den Männern.
Geleitet wurde die Studie von Christin Munsch (Cornell University).
Ihr Fazit: Männer ohne eigenes Einkommen gehen fünfmal häufiger fremd, als Männer, die gleich viel verdienen wie ihre Frau. Die treuesten Partner seien die Männer, deren Frauen ca. 75 Prozent ihres Einkommens verdienen.

Woran das liegt? Wunsch dazu: “Die Ursache dafür könnte sein, dass Männer in einer solchen Situation unglücklicher sind. Aus diesem Grund betrügen sie – nicht, weil sie weniger Geld verdienen.”
Spannend ist, dass sich das ganze dann wieder dreht, wenn die Männer deutlich mehr als ihre Frauen verdienen. Dann wiederum ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann untreu wird, wieder höher. Eine Erklärung wäre, dass diese Männer häufig Berufe ausüben, bei denen sie oft auf Geschäftsreisen sind oder lange Arbeitszeiten haben. Es gibt also schlichtweg mehr Gelegenheiten.

Und die Frauen?
Die gehen laut Studie seltener fremd, wenn sie finanziell abhängig sind. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie weniger Gelegenheiten haben, weil sie sich um Kinder und Haushalt kümmern. Oder sie entscheiden sich aktiv dagegen, um die Beziehung und damit ihre Existenz nicht zu gefährden.

Natürlich spielen auch Faktoren wie Alter, Bildungsgrad und Zufriedenheit in der Beziehung eine große Rolle. So heißt es zum Beispiel in der Studie:  Je gebildeter die Partner sind, desto weniger gehen sie fremd.