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Der Feind als Freund

Montag, 09. August 2010

Feinde möchte man eigentlich nicht haben. Sie machen Angst, Ärger und schlichtweg ungute Gefühle. Am liebsten würde man ihnen ausweichen oder sie in die Hölle verdammen.

Dabei vergessen wir gern zwei Dinge. Erst einmal, dass wir mit unseren Feinden mehr zu tun haben, als uns wahrscheinlich lieb ist und dann, dass Feinde die entscheidenden Katalysatoren auf dem Weg der Selbsterkenntnis sind. Besonders im Büroalltag können Feinde zu hilfreichen Lehrmeistern werden. Aber auch im Privatleben, sind die “Arschengel”, wie der Coach Robert Betz sie nennt, zu Unrecht verkannte Wegweiser.

Fragen Sie sich doch zunächst einmal, ob Sie wirklich Opfer der Umstände sind, oder ob Sie sich nicht selbst zum Täter machen, indem Sie in die Opferrolle schlüpfen. Wie, meinen Sie? Ganz einfach. Opfer zu spielen, kann auch eine geschickte Taktik sein. Man sitzt auf einem moralischen Sockel und kann sich über andere beklagen, statt selbst zu handeln.

Spannend ist auch, sich mal anzusehen, was Sie denn genau von Ihrem Feind unterscheidet. Meist sind ja ja völlig unterschiedliche Sicht- oder Betrachtungsweisen. Anstatt sich darüber aufzuregen, können Sie dem Feind dankbar sein, dass er Ihnen ein Stück Ihrer eigenen Persönlichkeit zeigt. Sie ärgern sich über seine Großkotzigkeit? Dann sind Sie vielleicht ein kleinlauter Mensch, dem ein wenig mehr Lautstärke nicht schaden könnte.

Feinde fordern uns heraus. Wer noch nicht erkannt hat, dass das Leben keine andauernde Glücks- und Komfortzone ist, der wird spätestens durch einen Feind eines Besseren belehrt. Während wir es uns mit Freunden gemütlich machen, schubsen uns Feinde oft ins unbekannte Terrain. Gut so – denn Lehr- und Wachstumsphasen brauchen wir genauso wie die puschlige Sofazeit.

Am Ende geht es auch immer darum, zu sich selbst zu stehen. Zu erkennen, dass andere eben auch anders sind und es sein dürfen. Zu erkennen, dass man nicht immer auf die Matratzen steigen muss, um zu kämpfen und auch zu erkennen, dass Souveränität nicht gleich Egoismus ist.