Lästern ist ok.

Eigentlich ist Lästern nicht nett. Auch wenn es – oberflächlich betrachtet – nur dem Austausch von Informationen dient, so ist es doch vom Wesen ein aggressiver Akt. Schließlich bedeutet Lästern ja dass man den Betroffenen nicht direkt konfrontiert, sondern indirekt hinter seinem Rücken schlecht über ihn redet.
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb erfüllt Lästern eine wichtige Funktion. Wir bauen damit Aggressivität ab, die wir dem anderen sonst vielleicht ins Gesicht schleudern würden. Lästern reduziert den inneren Druck und öffnet wieder Türen, die vielleicht vorher verschlossen waren.
Aber Lästern hat noch eine andere Funktion. Wer ab und an gemeinsam mit Freunden oder Freundinnen lästert, stärkt somit das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das trifft allerdings nur dann zu, wenn der, über den gelästert wird, nicht zur Gruppe gehört.

Schaut man in die Geschichte, dann ist schnell klar – Lästern gab es schon immer. Der britische Psychologe Robin Dunbar meint sogar, dass unsere Sprache ihren Ursprung im Lästern hat. Sich auszutauschen und auch mal über jemanden herzuziehen ist somit Teil unseres sozialen Miteinanders.

Übrigens – je kleiner der Ort, desto mehr wird getratscht. Vor allem übereinander. Man kennt sich, man grüßt sich, man weiß, was der oder der macht, also liegt es auch nahe, sich darüber zu unterhalten. Natürlich ist in einem kleinen Dorf auch das Sozialgefüge anders strukturiert. Man ist häufiger zusammen und hat somit mehr Gelegenheiten, sich zu verhaken und Spannungen aufzubauen, die dann durch Klatsch und Tratsch wieder gelöst werden können.
Städter haben da das Nachsehen. Sie verschaffen sich dieses “Glücksgefühl” meist durch die Klatschpresse. So kann man im Hausflur nicht nur übers Wetter, sondern auch über den letzten Skandal von Paris Hilton schnaken.
Also – klatschen Sie ruhig mal wieder!

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